letzte Änderung: 2026-09-17das Refugium
Otto Postalis kam zur Besinnung.
Er schien zugleich wach und gefangen zu sein in einem Traum.
An nichts aus seiner Vergangenheit konnte er sich erinnern.
Keiner seiner Gedanken bezüglich der Zukunft löste ein Gefühl aus.
Im Fokus von Otto war nur dieses mysteriöse Haus.
Es war dunkel.
Alle Fensterläden waren geschlossen.
Über einer mächtig erscheinenden Eingangstür stand geschrieben:
"Betrete Dein Refugium."
Und ohne Zweifel und Ängste trat er ein.
Im Inneren stand Postalis am Fuß einer Treppe, die sich nach oben windete.
Aus irgendeinem Grund wusste er, dass es jetzt nicht die Zeit war, die oberen Stockwerke zu erkunden.
Ein seitlich verlaufender Korridor führte zu einer weiteren Tür.
Sie war überzogen mit weinrotem Samt und stand einen Spalt offen.
Otto nahm auch diese Einladung dankend an und trat ein.
die ersten Objekte
Keiner der Sinne von Otto konnte diesen Raum einordnen in Größe und Beschaffenheit.
Aber seine Gedanken waren nun nicht mehr nur nicht vorhanden und leer.
Es schien wie so eine Art Wunsch, den er zu vernehmen vermochte.
Er wollte sich niederlassen, zur Ruhe kommen und kreative Wurzeln schlagen.
Und wenn dies sein Refugium war, dann konnte er doch versuchen es durch seinen Willen zu gestalten.
Kaum hatte er den Gedanken fertig gedacht, da tauchte vor ihm ein großer Sessel auf.
Er war aus dunkelblauem Leder, in alle Richtungen drehbar und man konnte ihn in unterschiedlichen Stufen neigen oder strecken.
Ein absoluter Wohlfühlsessel.
Dann stellte er sich eine Stehlampe mit verstellbarem Arm und wählbarer Lichtstärke vor.
Im nächsten Moment stand sie genau da wo er sie haben wollte.
Mehr als zufrieden setzte er sich in seinen Sessel.
Das mit den Gedanken war noch immer seltsam.
Otto hatte zwar ein funktionierendes Bewusstsein, wie es schien.
Er hatte jedoch keine Erinnerungen an etwas, an das er gedanklich hätte anknüpfen können.
Um seinen Solarplexus herum wurde es aber warm.
Es gab keine Anzeichen von Gefahr.
Er konnte also entspannen.
entdecken der Hypnose
Eine unbestimmte Zeit hatte er die Entspannung genossen.
Als würde er aus dem Schlaf erwachen, suchten seine Augen die Umgebung ab.
Das war sein Zimmer im Haus seines Vaters.
Und Otto lag auf seinem Bett mit Kleidern und Schuhen.
Er ging zu seinem PC und sah auf dem Monitor einen Musik-Player geöffnet.
Dieser hatte den Titel "Reise zu Deinem eigenen Entspannungsort" fertig abgespielt.
Ja, er wollte diese Hypnose CD ausprobieren.
Otto erinnerte sich erleichtert.
ist Hypnose etwas Gutes
Eigentlich hätte Otto durch das Erlebnis mit der Hypnose mit Freude erfüllt sein müssen.
Er hatte lange Zeit nach so etwas gesucht.
Innere Ruhe zu empfinden, inmitten verschieden farbigster Gedanken.
Die Grundvoraussetzung für das Lesen von Büchern und vieles mehr.
Doch er war stattdessen besorgt, ob er sich da auf eine reelle Sache einlassen würde.
Zum einen war da die Frage, ob die Hypnose qualitativ gut gemacht war.
Noch viel wichtiger war die Möglichkeit der Manipulation.
Typischerweise könnte er jetzt wieder die falschen Leute fragen.
Und jemanden der ihn gut verstehen würde und ihn einschätzen könnte, den gab es leider nicht.
Was könnte im schlechtesten Fall passieren?
als Seelsorger beschäftigt sein
Das ökumenische Zentrum war gedacht als Begegnungsstätte und Herberge.
Es lag geografisch in einem Gebiet, in dem kaum noch Menschen lebten.
Die Zeiten des Rohstoffmangels und die Kriege trieben Menschen hin zu einem Leben an anderen Orten.
Dies hatte zur Folge, dass die Infrastruktur für Energie und Transport nicht mehr finanzierbar war.
Umso wichtiger war es, den Menschen eine Anlaufstelle zu bieten.
Hier war Otto Postalis eingesetzt in der Rolle eines Seelsorgers.
Auch ohne ein erfolgreich abgeschlossenes Studium war das möglich.
Er stand für psychosoziale Gespräche zur Verfügung.
Vermutlich hatte sein Vater seine Beziehungen spielen lassen.
Das war nicht das erste Mal, dass sein Vater für ihn sorgte.
Geburtsrecht mit Kniff
Von seiner Schulung für diesen Job erinnerte er sich immer wieder an manche Aussagen der Lehrenden.
Alle Menschen seien von Geburt an gut genug, liebenswert, willkommen und wertvoll.
Für ihn war das nur schwer annehmbar.
Es galt offenbar auch für ihn selbst.
Und er zweifelte jedoch viel.
Es gab einen psychologischen Trick.
Formulierungen wie "ich bin auf dem Weg ...", "ich lerne ..." oder "es ist möglich, dass ..." nehmen den Druck heraus.
Das Gehirn muss dann den Satz nicht sofort als absolute Wahrheit auffassen.
Es ist möglich, dass ich an den richtigen Orten willkommen bin.
Ich darf lernen zu glauben, dass ich gut genug bin.
Ich öffne mich für den Gedanken, dass mein Wert angeboren ist.
Widerstände kann man dann versuchen zu hinterfragen und schrittweise verlernen.
Postalis blieb skeptisch.
Kontakt per E-Mail.
Impressum und Datenschutzerklärung
Copyright 2026 Patrick Frank. Lizenz: Creative Commons BY-SA 4.0 DE